Mandat für Generationen
Von Jan-Philipp Lautebach am 8. November 2018

Der WESER-KURIER schreibt in seiner heutigen Ausgabe vom 08.11.2018:

Mandat für Generationen

Die Bremer Anwaltskanzlei Kessler & Partner kann nun auf ein 150 Jahre zurückblicken. Dass sie dieses Jubiläum feiern kann, hat auch mit einer Eigenart der Bremer Familienunternehmen zu tun.

Dass es in Bremen Unternehmen gibt, die schon mehr als 150 Jahre existieren, ist in dieser Hansestadt nicht ungewöhnlich. Aber bei Anwalts- und Steuerberaterkanzleien sieht das schon anders aus. So feiert an diesem Donnerstag die Kanzlei Kessler & Partner ihr 150-jähriges Jubiläum mit ihrem Team von insgesamt 32 Mitarbeitern. Damit gehört sie zu den ältesten Kanzleien Bremens. Dass sie ihr Jubiläum feiert, hängt aber wiederum mit den vielen Familienunternehmen zusammen, die es hier gibt. Da sind sich die drei Partner Josef Sommer als Steuerberater, Arvid Siebert als Rechtsanwalt und Holger Sudbrink als Rechtsanwalt und Notar sicher. „Wir haben unter unseren Mandanten viele, bei denen sich das Mandat von der einen zur nächsten Generation überträgt“, sagt Siebert.

Die Firmen mögen Kontinuität und halten ihren Anwälten die Treue. Siebert sagt, woran man das ablesen könne: „Die großen internationalen Kanzleien sind in Bremen kaum vertreten.“ Wegen der Kontinuität sei es in Bremen aber auch nicht einfach, als Anwalt oder Steuerberater ganz neu für sich allein anzufangen. Immerhin hat die Bremer Rechtsanwaltskammer knapp 1900 Mitglieder, 1850 davon sind Rechtsanwälte.

Gegründet, als Otto von Bismarck Ministerpräsident war

1868, im Gründungsjahr der Kanzlei, war übrigens der Kaufmann Arnold Duckwitz Bremens Bürgermeister, und der Norddeutsche Bund, dem Bremen als Freie Hansestadt angehörte, existierte gerade mal gut ein Jahr. In Preußen war bereits ein gewisser Otto von Bismarck Ministerpräsident.

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Die Kanzlei hat ihren Schwerpunkt auf Gesellschaftsrecht und Steuerberatung. Zu ihren Mandanten gehört eine Reihe von Bremer Familienunternehmen. Daher haben sie auch regelmäßig mit Unternehmensnachfolgen zu tun. Und da halten es Siebert, Sommer und Sudbrink so, wie es schon Horst Kessler gemacht hat, der bis zu seinem 81. Lebensjahr in der Kanzlei gearbeitet hat und heute 96 Jahre alt ist. Der habe mit manch markigem Spruch durchaus mal die Mandanten vor den Kopf gestoßen, damit es endlich zu einer Einigung kam, wenn das in den verschiedensten Fällen notwendig war. „Sie müssen da schon mal Klartext mit den Mandanten reden“, so Siebert. Anscheinend haben das die Mandanten bisher nicht übel genommen angesichts des 150-jährigen Jubiläums, das die Kanzlei an diesem Donnerstag mit insgesamt 150 Gästen in Bremen feiern wird.

Nachfolge bei Familienunternehmen regeln

Aber dass das mit der Nachfolge eines Familienunternehmens an die nächste Generation gut funktioniert, dafür spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Sommer erläutert: „Ein Beispiel ist die Erbschaftssteuer. Wenn man das Thema früh genug angeht, ist sie für die Generation, die übernimmt, nicht so erdrückend.“ Siebert ergänzt: „Oder wenn in der nächsten Generation ein Kind den Betrieb übernimmt, und das andere möchte etwas anderes machen. Gründet man da vielleicht eine Aktiengesellschaft, und gibt dem Kind außerhalb des Betriebs Vorzugsaktien?“ Das ist nur eine Lösung die Sommer, Siebert und Sudbrink schon gewählt haben, um ein Familienunternehmen in die Zukunft zu führen – mit konstruktiven Ideen und um Streitigkeiten zu vermeiden. Aus der täglichen Praxis rät Siebert übrigens: „Jeder sollte so wie früh wie möglich ein Testament aufsetzen.“ Wenn auch wieder im Falle eines Familienunternehmens nichts geregelt ist, könne das für den Betrieb zum Problem werden.

Für Beck’s bis vor das Bundesverfassungsgericht

Ein Großteil der Mandanten stammt aus der Region. Wenn es um größere Fälle geht, die nicht alltäglich sind, fällt Siebert spontan die Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht für die Brauerei Beck’s ein gegen den Gewerbesteuerbescheid nach dem Verkauf damals an Interbrew: „Zwar ist das nicht zu unseren Gunsten ausgegangen, aber das ist schon etwas nicht Alltägliches.“ Bei dem Verkauf des traditionsreichen Bremer Spirituosenimporteurs Eggers & Franke an die Sektkellerei Rotkäppchen-Mumm stand die Kanzlei ebenso mit Rat und Tat zur Seite.

Und bei der Kanzlei selbst halten die Partner bereits Ausschau bezüglich der Nachfolge. Arvid Siebert begann bereits 1982 als Referendar in der Kanzlei. Vier Jahre später wurde er Partner. Sommer ist seit 19 Jahren Partner in der Kanzlei und Sudbrink seit 21 Jahren. Die Anwältinnen und Anwälte, die in der Kanzlei mitarbeiten, haben allerdings einen jungen Altersdurchschnitt. Manche Unternehmen denken einfach zu spät an die Nachfolge, wie es Sommer und Siebert auch immer wieder in der Praxis beobachten. „Daher denken wir schon früh genug daran“, sagt Josef Sommer. Was die Nachfolger ebenso weiterführen sollen: „Klare Ansagen an die Mandanten machen, wenn es notwendig ist.“

 

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